DIE PRESSESTIMMEN

Ein außergewöhnlich sensibler und kunstvoller Film über ein grausames Kapitel lateinamerikanischer Geschichte.  Dokumentarfilmfest München
Bombendrohung und Sabotageakte bei Dokumentarfilmpremiere in Guatemala. Trotzdem sehen 6.000 Zuschauer an drei Tagen den Film über die Staatsverbrechen während des Bürgerkrieges. TAZ
Deeply poetic, lyrical and extraordinarily moving.  Silverdocs Festival
Einer der kreativsten Filme des diesjährigen Festivals. Idfa Amsterdam
Die Festivals sind begeistert. Berliner Zeitung
So einen Film findet man heute selten, unbedingt empfehlenswert.  Der Freitag
Ein ruhiger, erschütternder Film. Tip Berlin
Einfach eindrucksvoll.  Der Tagesspiegel
Eine höchst künstlerische, innovative Inszenierung, ein Dokument der jüngsten Zeitgeschichte. Ohne Übertreibung, ein Meisterwerk. Kulturmagazin Cineastentreff
Ein sehr eindrücklicher Film geworden, der zeigt, welche aufklärerische Kraft auch heute noch in Dokumentarfilmen stecken kann. Kinozeit
La isla - Das unauslöschbare Feuer unserer Geschichte. Prensa Libre, Guatemala
Uli Stelzner gelingt etwas seltenes, er wandelt den Schmerz und die Trauer in zeitlose Poesie. Das ist eine große Kunst. Jury Talent Förderpreis Dokumentarfimfestival München          

PILOT: DAS POLIZEIARCHIV

Im Dezember 2008 begannen die Dreharbeiten zu "La Isla". Ein Dokumentarfilm von Uli Stelzner. Erneut ein kleines filmisches Puzzleteil von ihm zur Beleuchtung der lateinamerikanischen Zivilisation. Einer ganz dunklen Seite ihrer Geschichte jedoch, gesammelt und aufgelesen in Archivakten. Uli Stelzner begleitet mit der Kamera die Arbeit an diesem Geschichtsbuch, das irgendwie in lauter Einzelteilen schon geschrieben ist und nun von Menschenrechtsbeauftragten und zukünftig wünschenswerter Weise vom ganzen Volk Guatemalas wieder zusammengesetzt werden muss. Die Bilder des Films wurden bei Scanwerk farbkorrigiert. Worauf stellt man sich ein, will man einen Look kreieren für ein solches Thema, in dessen Mauern der Scheinwerfer gelenkt wird, wie eine Bildsprache visuell verstärken, damit sie unter die Haut geht wie das Thema des Films selbst?

Ein kleiner historischer Exkurs: Guatemala. 36 Jahre Bürgerkrieg, von 1960 an. Dikaturen. Linke Guerilla-Organisationen gegen das herrschende Militär. Laut UNO findet ein Genozid an der indigenen Bevölkerung statt, zehntausende vermisste Oppositionelle, ungeklärte Todesfälle, über Generationen vererbtes Leid. Schweigen und Leerstellen von Schwarz in der Biografie dieser zerstörten Gesellschaft.
Brennpunkt Guatemala Stadt. Dort erzeugt eine Explosion im Sommer 2005 diesen Riss in die Dunkelheit und legt ein El Dorado für Menschenrechtskämpfer frei. Ein Waffenlager der Armee fliegt in die Luft und neben dem Polizeiarchiv der Stadt werden die Räume begutachtet, die eventuell explosive Stoffe beherbergen. Und das Polizeiarchiv ist tatsächlich eine Fundgrube für Sprengstoff. 80 Millionen Akten tauchen darin auf, die die Gesellschaft komplett verändern können. Schatten vernichten - das ist die Aufgabe von inzwischen über 200 größtenteils jungen Guatemalesken und einigen internationalen Experten, die die Berge von Papier entstauben, entschmutzen, aufarbeiten, auswerten  und klassifizieren. Da sind auch Angehörige von irgendwann Verschollenen am Werk, die sich hier Antworten auf ihre Fragen nach dem Schicksal ihrer Familienmitglieder erhoffen. Lange war das Archiv von der Polizei geheim gehalten worden in der heruntergekommenen Zone 6 nahe der Kaserne Mariscal Zavala von Guatemala Stadt.

Nahezu 100 Jahre in schriftlichen Dokumenten: Viehdiebstähle neben Morden an Oppositionspolitikern. Private Sicherheitsleute und Videokameras sollen die Aufarbeitungstätigkeiten vor vertuschungswilligen Ex-Tätern und Racheakten schützen. Die Stadt ist und bleibt gefährlich für Neugierige und Aufklärer, politisch und historisch zu brisant, sicherheitstechnisch heikel. Die Menschenrechtsbehörde musste den Wunsch auf Ermittlung im Archiv per Gerichtsbeschluss durchsetzen. Drohungen, der Hang zu Angst und Schweigen begleiten diese riskante Aufgabe. Das ausgewertete Material wird digitalisiert und auf Servern in der Schweiz und den USA gesichert. Etwa 15% der Akten haben mit schweren Menschenrechtsverletzungen zu tun. Etliche Menschen suchen noch immer nach vermissten Angehörigen, deren Verschwinden nie aufgeklärt wurde: Studenten, Maya-Indios, Gewerkschaftler, Oppositionsführer. Noch niemand ist für die jahrzehntelangen Menschenrechtsverletzungen während des Bürgerkriegs verantwortlich gemacht worden.

Sollte Guatemala aber weiterhin demokratisch regiert bleiben und wenigstens die Jugend den gerade geborenen Mut aufrecht erhalten, die Wahrheitssuche weiterzubetreiben - positive Anzeichen dafür gibt es - dann müssen vielleicht schon bald Angehörige des damals herrschenden Polizei- und Armeestaates mit juristischen Konsequenzen rechnen. "Es besteht die berechtigte Hoffnung, dass aufgrund der Untersuchungen die sterblichen Überreste vieler Verschwundener gefunden und identifiziert werden können. Alleine auf dem Friedhof in der Hauptstadt werden Leichen von 20.000 Vermissten vermutet. In absehbarer Zeit können auch Anklagen gegen materielle und intellektuelle Täter aus Polizei und Armee zu erwarten sein. Im April diesen Jahres wurden bereits die ersten 4 Polizisten festgenommen.", äußert sich Stelzner, optimistisch in die Zukunft blickend. Der Film von Uli Stelzner trägt den Titel "La Isla-Archive einer Tragödie" und spielt auf den Sagen umwobenen Foltertrakt der Polizei während des Bürgerkrieges an, der nur laut Gerüchten irgendwo in Guatemala Stadt existiert haben muss und den man "Die Insel" nannte. Im nun langsam immer mehr erforschten Polizeilabyrinth, in dem Mitarbeiter anonym, mit Masken und auch mit persönlichen Schicksalen und dem vermisster Verwandter im Hinterkopf arbeiten, entdeckte man einen verwinkelten Trakt mit vielen fensterlosen Kämmerchen, wo man alte Matratzen, Reste von Drogen, Medikamenten, Exkremente fand. Es wird noch Zeit in Anspruch nehmen, um das Puzzle für historische Studien und zur Verfolgung von Menschenrechtsverletzungen zu vervollständigen und brauchbar zu machen.

Uli Stelzners Film nennt Verbrechen und Täter, will aber nicht nur anklagen, sondern auch einen Beitrag leisten, den gesamtgesellschaftlichen Prozess der Aufarbeitung anzustoßen. Er zeigt den Schmerz von Angehörigen, der gleichbedeutend für den Schmerz so vieler steht, und mag so hoffentlich auch den Willen der Guatemalesken zur öffentlichen Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte gegen die noch vorherrschende Angst verstärken. Nötig sind höchstes diplomatisches Geschick und menschliche Sensibilität in einem Balanceakt zwischen Politik, Schuldigen, Opfern und auch eine Vision von Weiterblicken und Versöhnung. Der Film kann eine solche Aufarbeitung mit all seinem medialen Potenzial unterstützen. Er thematisiert genau das, was vielleicht eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft schlagen könnte: das Nationalarchiv und die Arbeit dort. Stelzner hat sich darüber hinaus wegen der innenpolitischen Brisanz des Themas ein ausgeklügeltes Konzept erdacht, um den Film auch in Guatemala aufführen zu können und die Zeit des Schweigens durch Reden zu beenden. Im Rahmen eines Filmfestivals der Erinnerung soll der Film gezeigt werden, auf dem auch Beiträge von ähnlichen historischen Schicksalen in anderen Konfliktstaaten laufen sollen. Internationaler Rückhalt u.a. durch das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR), dem Zentralen Friedensdienst (DED), der GTZ, dem staatlichen Menschenrechtsbüro, dem Friedenssekretariat des Präsidenten sowie von deutscher Seite von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und nationale und diplomatische Rückendeckung, öffentlichen Diskussionsplattformen, auch auf einer eigens dafür geplanten Internetseite, sollen die Aufarbeitung der dunkelsten Stunden der Geschichte des Landes begleiten und unterstützen.

Vieles Wissenswerte und Interessante zu "Die Insel" und Uli Stelzner bzw. seinen Filmen ist unter Opens external link in new windowwww.iskacine.com archiviert.

 

Regie/Autor: Uli Stelzner
DoP: Guillermo Escalón
Produktion: iskacine, ohne gepäck filmproduktion, assosciación Luciernaga
Telecine: Peter Deinas