Universelle Dramen in der Masseverdichtung

Eine Nominierung auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis hat "Desperados On The Block" erhalten und die Gunst der Zuschauer in jedem Fall gewonnen. Auf dem bayerischen 5-Seen-Filmfestival hat der Film von Tomasz Emil Rudzik den Nachwuchsförderpreis gewonnen und so bestand vor allem für die Münchener die Gelegenheit, sich den 95 Minuten Streifen anzusehen, denn er erzählt auch von ihrer Stadt, jedoch aus einer ganz anderen, fremden Perspektive und ist doch wieder universell gültig ohne regionale Bindung. Eine Nominierung für den First Steps Award als "Bester abendfüllender Spilefilm" kommt hinzu - Opens external link in new windowwww.firststeps.de. Und der Film ist schließlich nun auch offizieller Beitrag beim 57. Festival de San Sebastián und konkurriert um den Kutxa-New-Director's Award -
Opens external link in new windowwww.sansebastianfestival.com. Ein Highlight!

Die Kamera führte der dreimalige Preisträger des Deutschen Kamerapreises und Co-Produzent Sorin Dragoi ( Opens external link in new windowTEO-Film, Deutscher Kamerapreis "Paraiso" 2004, "Kakerlakenpoker und Geistermühle – Der Spieleerfinder Hans Rüttinger" 2008, Förderpreis des Deutschen Kamerapreises "Die letzten Venezianer" 1998), produziert hat den Film das von Fritz Böhm und Sven Nuri geführte Produktionshaus Toccata Film in München.

Die Handlung und die Konstellationen sind schnell in Worten zusammengefasst, die Stimmung und die Art der bildnerischen Aufarbeitung der kleinen und großen menschlichen Tragödien in diesem Film erschließen sich aber nur beim Zuschauen und Mitempfinden. Das fällt auch – vesprochen – nicht schwer.
Schauplatz und Drehort ist die Studentenstadt Freimann in München, in der vor allem viele Menschen aus verschiedenen Kulturen lernen, wohnen, ihren Alltäglichkeiten nachgehen und noch mitten auf dem Weg zum Erwachsenwerden sind. Ein universelles Thema, denn wohl dem, der im Laufe seines Lebens überhaupt einmal in den Moment gerät, in dem er von sich behaupten kann, angekommen zu sein.
Ein Melting Pot von Einzelindividuen, die oft aneinander vorbei leben und dennoch räumlich miteinander so sehr verbunden sind.

In der von Rudzik erzählten Geschichte, er schrieb das Drehbuch und führte Regie, sind es vor allem die ausländischen Studenten, die als Repräsentanten der Einsamen, Verlorenen und nach Liebe, Geborgenheit und Sinn suchenden Jugend in einem fremden Land um so mehr von dieser sozialen Kälte betroffen sind, die wir alle ja irgendwie kennen. Der 23-Etagenbau mit 630 Einwohnern lässt ja eigentlich nicht den Gedanken von Alleinsein aufkommen und dennoch wird genau das zum Inhalt des Films. Die Betonung des Themas durch die Präsentation von Gegensätzen. Die Ideen von "allein" und "einsam" grenzen sich eben ab.
Einzige Verbindungsmöglickeit und Kommunikationszentrum in dieser Gesellschaft, die keine Gemeinschaft ist, ist der Fahrstuhl des Hauses, sind die Gänge und baulichen Strukturen, die den Kitt ergeben. Die Rumänin Clara (Patricia Moga), der Lette Motek (Andreas Heindel) und Sin (Lizhe Liu) aus Shanghai, die alle zum Studieren nach Deutschland gekommen sind, geraten in das filmische Visier. Alle drei sind Fremde in der Fremde, irgendwie verloren und doch hoffnungsvoll suchend, wie ihnen die Kamera folgt. Die Schicksale der drei Protagonisten, die wir für einen längeren Augenblick und doch ausschnitthaft begleiten, sind natürlich verdichtet und dramatisch zugespitzt. Aber wie das Universelle zeigen, ohne das Konkrete in den Fokus zu nehmen. Da ist zum Einen der gehörlose Motek, dessen Gedanken darum kreisen, trotz seiner Behinderung die Bibliothekarin Elvira zu erobern und der sich dafür einen "Amélie"-wunderbaren Trick ausdenkt. Da ist Sin, der sich durch Nachhilfestunden ein wenig Geld hinzuverdienen möchte und langsam ein zartes Band zu seiner 16-jährigen frühreifen Schülerin aufbaut, wo seine sozialen Kontakte sonst eher marginal sind. Und da ist schließlich Clara, eine rumänische Theologiestudentin, die sich nicht nur in ihrem Studium mit dem Gottesbegriff auseinandersetzt, sondern ganz persönlich hin- und hergerissen ist zwischen einem Verlassenheitsgefühl, Glaube, Hoffnung und Verlorenheit. Um die Existenz Gottes in Erfahrung zu bringen und seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, ersinnt sie den Plan, jedes der zehn Gebote zu brechen. Das bewegt sich dann zwischen Humor und Tragik in einem engen räumlichen Kosmos und dennoch vortsellungserweiternd und lässt den Zuschauer vor allem mitfühlen.

Wer mehr über den Film und die nächsten Vorführungstermine erfahren will, wendet sich klickend an Opens external link in new windowwww.desperadosontheblock.com.

 

"Desperados On The Block" (Deutschland 2009)
Produktion: Toccata Film in Co-Produktion mit Teo-Film
Regie: Tomasz Emil Rudzik
DoP: Sorin Dragoi
Telecine: Peter Deinas
Online Artist / Mastering: Georg Haas