FLAME FOR PORSCHE DESIGN

Der Film als Film

Zuerst taucht Hollywoodstar Billy Zane auf, in einer glänzenden Lederjacke, gut aussehend, selbstsicher, dann betritt Karel Roden, etwas unscheinbarer, cleverer wirkend, die Szene. Der Name des ersten ist "Form", der zweite heißt "Funktion". Form und Funktion diskutieren miteinander, eine Wortschlacht – The Battle - , das Ganze ist ein Imagefilm von 4 Minuten für die Porsche Design Group. Die augenscheinliche Gegensätzlichkeit der beiden Begriffe wird in der Inszenierung aufgehoben und die Darsteller werden am Ende Doppelgängerverkörperungen einer einzigen Unternehmensphilosophie. Der Mensch, der sich die Welt erschafft, kreiert und für den Menschen produziert, scheint von den zwei Motiven getrieben zu sein: der Frage nach der Form und dem Gedanken an die Funktion eines Gegenstandes. Billy Zane und Karel Roden treten als Personifikationen der zwei letztlich sich bedingenden Prinzipien auf. Sie fordern sich gegenseitig heraus und inspirieren sich auch. Der Hintergrund des dunklen Raumes, der keine erkennbaren Grenzen hat, ist schwarz, es gibt keinerlei Dekor, nur Form und Funktion sind zu sehen; der Boden, auf dem sie sich befinden, ist kreisförmig beleuchtet und bietet damit nicht nur den Akteuren ihre Bühne, sondern übersetzt mit seiner Form symbolisch ins Visuelle auch die Unendlichkeit der Fragestellung, um die sich ihr Schlagabtausch dreht. Auch der Raum selbst scheint sich zu drehen, die Kamera fährt um die Schauspieler, oder ist es andersherum, ungewöhnliche Perspektiven verwirren noch mehr. So drehen die personifizierten Ideen in Abhängigkeit voneinander, ganz umeinander. Spannend und überraschend wird das Ganze durch die schnellen Schnitte und den Schuss-Gegenschuss, der Orientierungs- und Richtungslosigkeit widerspiegelt. Und es gibt ja auch nicht das Eine, dass das Andere hervorruft. Ein Zirkelschluss entsteht hier mit dem 100 Jahre alten Ausspruch des US-amerikanischen Hochhausarchitekten Louis Sullivan als Startpunkt, den auch Ferdinand Alexander Porsche später reformulieren wird. 1896 wird Sullivan in dem Artikel The Tall Office Building Artistically Considered in Lippincott's Magazine mit den Worten "form follows function" zitiert. Am Ende des Imagefilms, noch bevor die Worte des Firmengründers Porsche zu lesen sind - "Wenn man die Funktion einer Sache überdenkt, ergibt sich die Form manchmal wie von allein." - spitzt sich der Dialog in seiner Unauflösbarkeit zu. Beide Protagonisten laden das Gegenüber mit einer gleichzeitigen Handgeste und den Worten "After you!" ein, das Dilemma zu verstehen: entweder die Bühne als Erster zu verlassen oder dem Anderen folgen zu müssen.

After you.", sagt Dr. Form und Mr. Funktion antwortet: "After you!", daraufhin erwidert Form "After you!" und das Spiel geht immer so weiter. Niemand geht, niemand folgt. Und während die Kamera am Ende die Protagonisten so in ihrem infiniten Dialog einfängt und langsam abgeblendet wird, wissen wir längst, dass es nicht um eine bestimmte Reihenfolge geht, in der "Form" und "Funktion" in ihrem Wert aufzutreten bzw. abzutreten haben, sondern dass beide Gestalten und Konzepte miteinander im Dialog stehen und stehen müssen.Die Produkte der Luxusmarke Porsche Design, die im Laufe des Films von den Akteuren vorgeführt werden (Sonnenbrille, Koffer, Pfeife und Feuerzeug, Handy, Schreibwerkzeug) gehören zur Palette des von Ferdinand Alexander Porsche 1972 gegründeten Porsche Design Studios und spielen so ihre Rolle in dieser besonderen Darstellung der Unternehmensphilosophie. Der Film ist gerade wegen oder trotz der wenigen Setzutaten und des Purismus visuell äußerst ästhetisch und auch er überträgt damit den Anspruch von Porsche in den Imagefilm. Die Aufmerksamkeit der Designer und der Zuschauer gilt beiden Teilen einer Einheit: dem formalen klaren, zeitlosen und puristischen Design, in dem funktional technisch innovative Produkte stecken. So gesehen ist es eigentlich keine "Battle", wie der Titel andeutet, sondern die Zusammenkunft von zwei Seiten einer Medaille.

www.formandfunction-thebattle.com

Kunde: Porsche Design Group
Agentur: Kemper Kommunikation www.kek.de
Produktion: gap Films GmbH www.gapfilms.de
Regie: Charley Stadler
DoP: Fraser Taggert
Post: Scanwerk




Die Postproduktion bei Scanwerk: Der Auftrag für die komplette Postproduktion von "Porsche Design - The Battle" wurde im August 2010 an Scanwerk vergeben. Das Ausgangsmaterial der RED Daten wurde zunächst am Avid Nitris DS geonlined und für die Farbkorrektur vorbereitet, die anschließend am Pogle in der Pandora Suite stattfand. Peter Deinas' Herausfordeurng war es, den geeigneten Look für den Imagefilm der Porsche Design Group abzustimmen, die auf klares, zeitloses, puristisches aber doch edles Design setzt. Mit der Markenkenntnis und dem Blick auf die vorgeführte inhaltliche Auseinandersetzung wurde das Rohmaterial mit klassisch dunklen Farben zu einem streng visuellen Film gegradet.
Nach dem Colorgrading mussten in beinahe allen der 19 vorhandenen Shots weitere Kreativ- und Anpassungsarbeiten durchgeführt werden, die den Film schließlich zu dem gemacht haben, was er jetzt ist. Diese Arbeiten erfolgten hauptsächlich am Flame, aber auch mit After Effects, Mocha, Photoshop und Avid DS Nitris. Die Scanwerk Digital Designer waren mehrere Tage damit beschäftigt Wünschenswertes zu animieren und Störendes zu retuschieren.

In der Hälfte aller Shots musste zunächst der Boden, auf dem sich die Protagonisten bewegen, entweder vollständig oder teilweise am Flame ausgetauscht werden. Eine nach gewünschten Vorgaben neu erzeugte bzw. retuschierte Variante ersetzte den beim Dreh vorhandenen Untergrund, der sich im Nachhinein als nachteilig in der visuellen Präsentation herausstellte. Die Schatten der Hauptfiguren wurden in zahlreichen Shots dann per Handanimation eingefügt.
Die David-Goliath-Szene, wenn Karel Roden uns als Riese und Billy Zane im Film ganz klein, weiter unten erscheint, machte das Compositing am Flame erst möglich.
Eine weitere komplexe Handanimation wurde bei der Bearbeitung der Sonnenbrillen vorgenommen. Im Original-Drehmaterial spiegelten sich Filmcrew und Lichtreflexe auf den Brillengläsern wider, und mussten im Nachhinein entfernt werden, wobei die natürliche Eigenschaft der Transparenz der Brillen, besonders an den Außenseiten, wo Nase und Haut durchscheinen, bewahrt werden sollte.

In etwa der Hälfte des Films sind Karel Roden im Vordergrund und Billy Zane im Hintergrund kurz in Profilansicht mit gleicher Blickrichtung gezeigt, wobei Karel Roden etwas spricht. Dies ist so keinesfalls gedreht worden, sondern musste durch Rotoscoping mit Hilfe handanimierter Masken zusammengebaut werden. Des Weiteren erfolgten daneben noch zahlreiche zusätzliche Retuschearbeiten, z.B. das Entfernen verschie- dener störender Gegenstände im finalen Bild, z.B. ein herunterhängendes Mikrofon, verschiedene Kanten, die sich auch aus der Bearbeitung des Bodens ergaben, ein Stativ im Bild oder Flecken an der Wand, um nur einige Beispiele zu nennen.

Der Film ist in seiner endgültigen und offiziellen Version seit dem 1. Oktober 2010 auf der Internetseite
www.formandfunction-thebattle.com zu sehen.